Get Adobe Flash player

postheadericon Geschichte

 

Der Sport in Güstrow nach dem 2. Weltkrieg

Wenn auch Güstrow 1945 unzerstört blieb, waren doch die Sportstätten leer. Zu groß war das Opfer, das die sportfreundliche Jugend dem Moloch Krieg hatte bringen müssen. Anerkennung verdient die Freie Deutsche Jugend, die auf Anraten der Partei der Arbeiterklasse daranging, alle Sportler mit der Bildung von Sportgruppen zu beauftragen.

So fand sich als erste die Sportgruppe „Grün-Gold“ zusammen. Unter der Anleitung alter Sportler wurden zerstörte Sportgeräte instand gesetzt, die ungepflegten Sportstätten in gebrauchsfähigen Zustand gebracht. Jeder Winkel wurde durchsucht, um Geräte, Matten, Bekleidung wieder den Sportlern zuzuführen. So manches verloren geglaubte Gerät wurde der neuen Sportbewegung zugeführt. Schon lange reichte der Rahmen der Sportgruppe „Grün-Gold“ nicht mehr aus, um den Ansturm aller Sportler aufzunehmen. Es kam dann zur Bildung der Sportvereinigung „John Brinkman“. Neben dem Sportgelände „Borwinseck“ stand dann auch wieder das Niklotstadion in Dettmannsdorf zur Verfügung. In der Stadt kam es zur weiteren Entwicklung der Sportgemeinschaften. Aus der Sportvereinigung „John Brinkman“ ging die BSG „Einheit“ hervor. Weitere Betriebssportgemeinschaften wurden auf betrieblicher Basis gegründet. So u.a. „Lokomotive“, „Aufbau“, „Traktor“, „Empor“, „Medizin“, „Wissenschaft“, „Rotation“, „Post“ und „Fortschritt“. Jede gab ihr Bestes, um neben der Entwicklung der besten Sportler möglichst breite Kreise zu erfassen.

                                  

Den größten Erfolg haben aber die Hockeysportler unserer Stadt. Hier ist es die A-Jugend der BSG „Einheit“, die als erste den Titel „DDR-Meister“ in die Mauern der Stadt bringen konnte. Außerdem ist diese Mannschaft, sowie die Mädel der BSG „Lokomotive“ ebenfalls DDR-Beste ihrer Sportvereinigung. Im Handball vertritt die früher bei BSG „Einheit“, jetzt BSG „Lokomotive“ spielende Männermannschaft die Farben der Stadt in der zweithöchsten Spielklasse, in der DDR-Liga. Das Schwergewicht in der Grundsportart der Leichtathletik vertritt ebenfalls BSG „Lokomotive“, desgleichen im Schwimmen. Hier sind es besonders die Nachwuchskräfte, die nach vorne drängen und noch viel Gutes erhoffen lassen. In der Sektion Turnen / Gymnastik hat Güstrow in allen Klassen hervorragenden Nachwuchs.

Die schweren Männer sind ebenfalls bei „Lokomotive“ und „Einheit“. Im Boxen und Ringen sind gute Ansätze, das muss vor allem von den Boxern der BSG „Lokomotive“ gesagt werden, im Kunstkraftsport ist es die BSG „Aufbau“, die mit ihrer Kunstkraftgruppe, den Akrobaten, in der DDR gekannt, geliebt und geschätzt wird.

Die Segler haben in den Betriebssportgemeinschaften „Einheit“ und „Empor“ Hervorragendes geleistet. Mit ihren mehr als 50 Booten bevölkern sie Sonntag für Sonntag den Inselsee mit ihren herrlichen Sportstätten und werben für ihre Sportart. Auch die Kanuten und Paddler von „Lokomotive“ und „Medizin“ stehen nicht nach. Radfahren, Saalradsport, Tennis und Schach ist wieder Schwerpunkt in der BSG „Einheit“, während Tischtennis in allen Betriebssportgemeinschaften eifrig getrieben wird. Volleyball ist Steckenpferd der BSG „Wissenschaft“. Besonders bekannt sind die Faustballer der „Lokomotive“. Hier ist besonders die Altherrenmannschaft, die achtbare Erfolge, gemessen an den entsprechenden Gesamtleistungen erzielt hat. Ein besonderes Lob gebührt in diesem Rahmen der BSG „Post“, die in Gemeinschaftsarbeit eine herrliche Kegelbahn am Tivoli geschaffen hat. Damit ist eine Lücke im Güstrower Sport geschlossen. Es ist anzunehmen, dass durch diese Anlage auch der Kegelsport schnell großen Zuspruch haben wird.

Große Sorgen machen allen Sportlern noch die Sportstätten. In Gemeinschaftsarbeit ist es gelungen, Borwinseck herzurichten. Die Sportanlagen an der Speicherstraße müssen besonders gründlich bearbeitet bzw. neu geschaffen werden. Die Badegelegenheiten sind in schlechtem Zustand. Umkleideräume fehlen am Tennisplatz; ein Hockeyplatz fehlt ganz. Hierauf muss das Augenmerk aller verantwortlichen Stellen gerichtet sein, damit dem Sport einen noch größerer Zahl sportbegeisterter Werktätiger zugeführt werden kann.

 

Auszug aus der Festzeitschrift zum 725-jährigen Güstrower Stadtjubiläum 1953

Joachim Dummer

 

Struktur des Güstrower Sports nach 1945

1945: Sportzirkel „Grün-Gold Güstrow“ (100 Mitglieder)
Amt für Kultur und Volksbildung – Hans Warscycek
Vorsitzender Sport – Rudi Nitzschke
Fußball – R. Nitzschke
Handball – T. Dieckmann
Turnen – M. Krause
Tischtennis – H.-J. Seitz

1946: Sportzirkel „Grün-Gold Güstrow“ (250 Mitglieder)
FDJ-Kreissportreferent - Karl Ludwig Frick
Vorsitzender Sport - Rudi Nitzschke
Neu: Schach – H.-J. Seitz und Hockey – K.-H. Wäder

1947: Sportzirkel „Grün-Gold Güstrow“ (350 Mitglieder)
FDJ-Kreissportreferent – Robert Schwarze
Vorsitzender Sport – Rudi Nitzschke
Neu: Leichtathletik – M. Thoms, Tennis – W. Berse, Segeln – Wegner/Bremer

1948: Sportzirkel „Grün-Gold Güstrow“ (500 Mitglieder)
FDJ-Kreissportreferent – Robert Schwarze
Vorsitzender Sport – Rudi Nitzschke
Neu: Schwimmen – W.Bruhn

Ab 01.08.1948: Sportgemeinschaft „John Brinkman“
Kreissportausschuss – Klaus Leschinski
Vorsitzender Sport – Heinrich Löscher